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Berührungslos

Mit geschlossenen Augen lag das Mädchen auf der Decke, die es mit dem Mann neben sich teilte. Während ich anfangs an den Regungen ihres Gesichts ablesen konnte, wie sie den Geräuschen des Parks an diesem Nachmittag lauschte – hier klimperte jemand auf der Gitarre, dort übermütiges Kindergeschrei, hin und wieder das heisere Kläffen eines Hundes - , verrieten ihre Züge bald, dass sie dabei war, einzuschlafen. Mit einem Seufzen drehte sie sich zur Seite und bettete ihren Kopf bequemer auf die Tasche, bevor sie die Augen erneut schloss. Nun berührte  sie mit ihrem Ellbogen den Arm des Mannes neben sich – er schien ebenfalls zu schlafen, zumindest lag er regungslos da, als bemerkte er die Berührung nicht. Nach einer ganzen Weile streckte sich das Mädchen ausgiebig, aufgeweckt durch das Gekreische einiger Kinder, die in der Nähe spielten. Etwas verwirrt und noch schlaftrunken wechselte sie einen Blick, welcher Verbundenheit und zugleich Glück darüber verriet, dass man zusammen hier lag, mit dem Mann, der sich inzwischen aufgesetzt hatte – der Blick wurde von einem zufriedenen Lächeln begleitet. Als sie sich darauf wieder hinlegen wollte und keine angenehme Position mehr fand für ihren Kopf – die Tasche musste verrutscht sein - , drehte sich der Mann neben ihr auf den Bauch, sah sie einen Augenblick lang  aufmerksam an und griff daraufhin zu dem Pullover, auf dem er eben selbst noch gelegen hatte. Vorsichtig hob er den Kopf des Mädchens, welches ihn verdutzt anschaute, schob den Pullover an die richtige Stelle und legte sanft ihren Kopf darauf. Dann strich er ihr mit einer liebevollen Geste über das Haar.

Voller Neid schaute ich den beiden zu. Als ich nach einiger Zeit wieder zu den beiden hinüberblickte, war das Mädchen bereits wieder eingeschlafen, doch etwas hatte sich verändert in ihrem Gesicht – sie lächelte, es war ein Lächeln, das sich auch im Schlaf hielt. 

Später, als die beiden an mir vorübergingen, sprach die Empfindung, die diesem Lächeln zu Grunde lag, immer noch aus ihrem Blick, mit dem sie mich kurz streifte. Gemeinsam gingen sie über die Wiese, sie berührten sich nicht, und doch empfand ich etwas Trauer darüber, dass ich wohl nie mit jemandem so würde gehen können – so, auf diese Art und Weise, mit dieser Vertrautheit und  beinahe berührungslosen, freundschaftlichen Liebe.

28.9.09 21:36

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